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Foto: Manja Voss

Seekühe auf der Straße

Im Jahre 2015 wurden in der Fußgängerzone der Altstadt Girona (Spanien, Katalonien) Skelettreste einer fossilen Seekuh eingebettet in Gehwegplatten gefunden. Manja Voss und Oliver Hampe, zwei Spezialisten für marine Säugetiere am Museum für Naturkunde Berlin, wurden darauf aufmerksam und fuhren im November 2015 für erste Untersuchungen des spektakulären Fundes nach Girona. Gemeinsam mit dem Bürgermeister und den Geologen Roger Mata und Jordi Ferrer organisierten sie die Freilegung der Gehwegplatten und kehrten nun zurück nach Spanien, um diese an der Clinica Girona in Zusammenarbeit mit Dr. Joan Carles Vilanova in einem modernen CT-Scanverfahren genauer zu untersuchen.

Die Seekuhüberreste stammen aus etwa 40 Millionen Jahre altem Kalkstein aus einem Steinbruch nähe Sant Vicenç und gehören zu den ältesten Funden in Europa. Der Fund gibt uns die einmalige Chance, unser Wissen über die Evolution und Vielfalt dieser seit ca. 50 Millionen Jahren  existierenden Meeressäugergruppe zu vergrößern. Neben einigen Wirbeln und Rippen sind auch Teile des Schädels erhalten. Leider wurde er bei der Produktion der Gehwegplatten in zwei Teile getrennt. Mit den CT-Untersuchungen hoffen die Museumsforscher nun, die Einzelteile digital wieder zusammensetzen zu können, um so ein 3D-Modell des Schädels zu erhalten, aus welchem sie wertvolle morphologische Informationen lesen können, die für die genauere Beschreibung wichtig sind. So könnten sie zum Beispiel herausfinden, ob es sich bei dem Tier um ein ausgewachsenes oder ein junges Exemplar handelt. Da bereits mindestens eine Seekuhart aus der gleichen Zeit in der katalonischen Region bekannt ist, könnte es sein, dass die „Seekuh von Girona“ ein dieser Art zuordenbares Individuum repräsentiert. Es ist allerdings genauso gut möglich, dass es sich um eine noch unbekannte, neue Art handelt. Die Ergebnisse aus den Untersuchungen der morphologischen Merkmale z.B. von den Zähnen und Schädelfragmenten werden den Experten helfen, diese Fragen bald zu beantworten.

Auch wenn die für den Bau der Stadt Girona verwendeten Kalksteine schon immer reich an Fossilien waren, ist es schon etwas Besonderes, die Versteinerungen eines Meeressäugetiers in einer Gehwegplatte zu finden, über welche tausende von Menschen über viele Jahre spazierten. Es ist also nicht verwunderlich, dass die „Seekuh von Girona“ auch vor Ort für großes Aufsehen sorgte und unsere Forscher Manja Voss und Oliver Hampe mehrfach in der Presse zu diesem faszinierenden Fossil interviewt wurden.

Der wissenschaftliche Beitrag von Manja Voss und Oliver Hampe über Reste einer ausgestorbenen Seekuh in der Fußgängerzone von Girona, wurde auf dem diesjährigen Jahrestreffen der Society of Vertebrate Paleontology vom 26.10. – 29.10.2016 vom Media Liaison Committee besonders herausgestellt. Damit knüpfen die beiden Wissenschaftler des Museum für Naturkunde Berlin an eine Welle der medialen Aufmerksamkeit an, die sie seit Beginn dieses Projekts im November 2015 losgetreten haben.

Weitere Informationen

Webseite der Clinica Girona: http://www.clinicagirona.cat/
Berichterstattung über das Projekt:
http://www.emporda.info/multimedia/videos/cultura/2016-06-28-104691-fossil-vaca-marina-trobat-girona-milions-danys.html
http://phys.org/news/2016-10-fossils-feet-ancient-sea-cow.html

Das Projekt Forschungsprojekt wird aus dem Innovationsfonds des Museums für Naturkunde Berlin gefördert.

  • Die Gehwegplatte im CT-Scan, Foto: Manja Voss
  • Journalisten begleiten die Untersuchungen, Foto: Manja Voss
  • Steinbruch, in welchem die Gehwegplatten abgebaut wurden, Foto: Manja Voss

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