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Mehr als 18.000 Objekte, davon sind etwa 100 als Typen und mehr als 650 als Originale registriert, bilden die Sammlung fossiler Reptilien des Museums für Naturkunde Berlins.

Fossile Reptilien und Fährten

Die Sammlung fossiler Reptilien umfasst Fundstücke von Dinosauriern, Flugsauriern, Krokodilverwandten, Schildkröten, Eidechsen- und Schlangenverwandten, Meeresreptilien und ursprünglicheren Reptilien. Im weiteren Sinne gehört auch die Sammlung der Synapsiden, die Vorfahren der Säugetiere, zur Sammlung fossiler Reptilien. Mehr als 18.000 Objekte, davon sind etwa 100 als Typen und mehr als 650 als Originale registriert, bilden die Sammlung.

Die Sammlung ist überwiegend systematisch nach Großgruppen geordnet und katalogisiert. Aufgrund ihrer Größe sind die Dinosaurierknochen jedoch räumlich hauptsächlich nach Knochenelementen und Größe sortiert untergebracht. Bei der Sammlung handelt es sich um eine Trockensammlung, die größtenteils im Museumsgebäude selbst untergebracht ist. Die Sammlungsmaterialien sind ausschließlich Versteinerungen, im Falle der Spuren handelt es sich dabei meist um Ausgüsse von ehemaligen Fährten.

Innerhalb der Sammlung fossiler Reptilien bilden die fossilen Tetrapodenfährten eine Spezialsammlung. Sie umfasst unter anderen berühmte Fährten (Chirotherium, Ichniotherium) der Trias aus Hessberg bei Hildburghausen, Thüringen. Eine große Spurenplatte aus der Sammlung des Hobbypaläontologen Hugo Rühle von Lilienstern (1882-1946) aus der Trias liegt in mehreren Einzelteilen vor und enthält unter anderem die ältesten Schildkrötenspuren.

Geographische Schwerpunkte bilden die Fundstücke der mesozoischen Dinosaurier-Fundstellen Halberstadts, Mitteldeutschland, und Tendaguru, Tansania. Beide Fundstellen lieferten zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Wirbeltiersammlung eine Fülle von Dinosaurier-Überresten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die große Sammlung der Germanischen Trias, vor allem mit Resten des Meeresreptils Nothosaurus aus dem Muschelkalk von Rüdersdorf. Andere Meeresreptilien umfassen exzellent erhaltene und neu präparierte Reste von Ichthyosauriern aus Holzmaden. Daneben liegt eine Fülle von fossilen Reptilien aus den lithographischen Kalken des Altmühltals in Franken vor.

Die Sammlung ist hauptsächlich durch ihre Dinosaurierfossilien international bedeutend und wird häufig von wissenschaftlichen Sammlungsgästen aufgesucht. Die Vielfalt der historisch bedeutenden Sammlung fossiler Reptilien bedingt ebenfalls ihre internationale Bedeutung.

Geschichte

Die Sammlung fossiler Reptilien hat ihren Ursprung im Mineralogischen Kabinett der Humboldt Universität. Bei der Gründung der Berliner Universität 1810 wurde das aus der Königlichen Bergakademie hervorgegangene "Königliche Mineralienkabinett" als "Mineralogisches Museum" in die Universität einverleibt. Es bezog 1814 das 1. Obergeschoß im östlichen Seitenflügel und im Mittelflügel des Universitätsgebäudes Unter den Linden. Aus der Kabinett-Sammlung stammt z.B. die Schildkröte Testudo antiqua aus dem Süßwassergips vom Hohenhöwen im Hegau. Wenig später schon kamen verschiedene weitere Reptilreste hinzu.

Die Sammlung wurde geprägt durch mehrere Generationen von Kuratoren und Wissenschaftlern wie z.B. Otto M. J. Jaekel (1863-1929). Insbesondere Werner E. M. Janensch (1878-1969) als leitender Wissenschaftler der Deutschen Tendaguru Expedition (1909-1913), aber auch Wolf-Dieter Heinrich und Gottfried Böhme als Kurator emeritus können hier herausgestellt werden.

Eine bedeutende Expedition zur Sammlungserweiterung war die Grabungen in Halberstadt, welche von 1909-1913 von Jaekel durchgeführt wurden und nach dem 1. Weltkrieg bis 1927 weitergeführt wurde.  Neben dem obertriassischen Dinosaurier Plateosaurus stammt aus der Lokalität Halberstadt auch die älteste bekannte, vollständig erhaltene Schildkröte Proganochelys.

Am bedeutendsten ist sicherlich die Fundstelle Tendaguru im südlichen Tansania, welche durch ihre reichhaltigen oberjurassischen Dinosaurier-Ansammlungen berühmt geworden ist. Die Grabungen fanden in den Jahren 1909-1913 statt. Hierfür waren aus dem Naturkundemuseum die Wissenschaftler Werner E. M. Janensch und Edwin Hennig (1882-1977) und Hans Reck (1886-1937) vor Ort. Bekannt sind Skelettreste von Giraffatitan (Brachiosaurus), Dicraeosaurus, Janenschia, Barosaurus, Tornieria, Tendaguria, Australodocus, Kentrosaurus, Dysalotosaurus, Elaphrosaurus und verschiedenen anderen Theropoden, sowie eine gewisse Anzahl an Flugsaurierresten.

Die Sammlungen fossiler Reptilien werden bis heute kontinuierlich erweitert. Dies geschieht allerdings vorwiegend durch Tausch von Abgüssen und Objekten, Schenkungen und Erwerbungen. Es finden derzeit keine systematischen Grabungen zur Sammlungserweiterung statt.

Highlights

Marine Reptilien aus Holzmaden

Die marinen Reptilien aus Holzmaden, Süddeutschland, wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stückweise entweder durch Schenkungen oder Ankäufe in die Sammlung eingegliedert. Sie umfassen hauptsächlich Ichthyosaurier wie Stenopterygius und Eurhinosaurus, daneben aber auch den Plesiosaurier Plesiosaurus und die fossilen Meereskrokodile Steneosaurus und Pelagosaurus. Zu ihnen gehören einige der besterhaltenen Reste dieser Fundstelle, oft mit Hauterhaltung. Die Fossilien stammen aus dem Mittleren Jura und wurden in einem schlecht belüfteten Meeresbecken abgelagert und deswegen so gut erhalten. Sie sind historische Teile der Ausstellung und wurden vor kurzem einer exzellenten Neupräparation unterzogen. Derzeit sind die Stücke aufgrund der Bauarbeiten im Museum nicht zugänglich.

Die marinen Reptilien aus Holzmaden, Süddeutschland, wurden im späten 19. Jahrhundert in die paläontologische Sammlung des Museums für Naturkunde Berlin eingegliedert. Sie umfassen insbesondere Ichthyosaurier, wie z.B. das auf dem Bild zu sehende Exemplar

Giraffatitan brancai

Giraffatitan brancai ist das Symbol der Deutschen Tendaguru Expedition (1909-1913). Das Skelett wurde aus zwei gut erhaltenen Teilskeletten zusammengestellt und ist derzeit das höchste ausgestellte Dinosaurierskelett der Welt. Der Original-Schädel befindet sich in der Sammlung, während am Skelett in der Ausstellung eine Kopie zu sehen ist. Ebenfalls Nachbildungen sind die Wirbelknochen von Rumpf und Hals, welche zu schwer und zu zerbrechlich sind, um sie zu montieren. Auch diese Knochen sind jedoch in der Sammlung des Museum erhalten und werden häufig von Wissenschaftlern untersucht. 2009 erfolgte eine wissenschaftliche Revision, welche den Namen des Tieres von Brachiosaurus zu Giraffatitan umänderte. Seitdem ist dieser Name in wissenschaftlichen Arbeiten gebräuchlich.

Brachiosaurus brancai ist das Symbol der Deutschen Tendaguru Expedition (1909-1913). Das Skelett des Museum für Naturkundemuseum Berlins ist derzeit das höchste ausgestellte Dinosaurierskelett der Welt.

Forschung

Die Forschung in der Sammlung fossiler Reptilien berührt von systematischer Forschung über ökologischen bis hin zu biomechanischen Fragestellungen alle aktuellen Schwerpunkte der Reptilienforschung. Die Spuren fossiler Wirbeltiere dienen als Zeugen von Fortbewegung und Verhalten und stehen oft in Zusammenhang mit funktionsmorphologischen Fragestellungen.

Sowohl in der Vergangenheit wie auch heute wurden und werden Dinosaurierfossilien vor allem als Vergleichsobjekte für die Forschung an anderen Funden benutzt. Die aktuelle Forschung beschäftigt sich neben den unmittelbaren Untersuchungen am Objekt auch häufig mit analytischen Verfahren wie Isotopenbestimmung, Dünnschlifftechnik oder nichtinvasiven, bildgebenden Analyseverfahren, wie etwa 3D-Oberflächengenerierung, CT Scans oder µCT.  

Termine für wissenschaftliche Besuche werden in der Regel über die zuständige Kuratorin, Daniela Schwarz, und den Collections Manager, Thomas Schossleitner, gemacht. In den Sammlungen direkt gibt es Computerarbeitsplätze, an denen die entnommenen Stücke bearbeitet werden können. Bei gewünschten Ausleihen, Probennahmen und anderen Analyseverfahren wird zusammen mit dem Kustos über die Möglichkeiten und die Vorgehensweise entschieden. Die Stücke der Dinosauriersammlung aus Tendaguru sind nicht ausleihbar. Die in der Ausstellung aufgestellten Skelette der großen Dinosaurier aus Tendaguru sind direkt nur montags zu bearbeiten, wenn das Museum geschlossen ist. Für die Arbeit an der Sammlung der fossilen Tetrapodenfährten müssen gesonderte Termine vergeben werden. Die Arbeit an diesen Stücken, die sich im Außenlager befinden, ist aber möglich.

Digitalisierung

Die meisten Sammlungsstücke sind mit Sammlungsnummern erfasst und in einem Katalog nach Standort auffindbar. Eine elektronische Erfassung ist nur bei Teilen der Sammlung vorhanden und bislang noch nicht abrufbar. Aufgrund der steigenden Anzahl moderner Analyseverfahren liegen von verschiedenen Sammlungsobjekten auch 3D-Daten im Form von Oberflächendaten und Volumendaten vor.

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Kontakt

Dr. Daniela Schwarz,
Kustodin

Thomas Schossleitner,
Collections Manager

Claudia Kaatz,
Sammlungspflegerin