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Teil des Steinregens zu Siena am 16. Juni 1794, von Martin H. Klaproth (1743-1817) beschrieben

Meteorite

Die Meteoritensammlung umfasst rund 6.000 Exemplare von etwa 4.100 verschiedenen Meteoriten. Aufgrund der bis in die Anfangszeiten der Meteoritenforschung reichenden Historie der Sammlung beherbergt sie viele Stücke aus dem europäischen Raum; so auch viele Hauptmassen der in Deutschland gefundenen Meteorite. Mittlerweile befinden sich Stein-, Stein-Eisen- und Eisenmeteorite aus allen Teilen der Welt in der Sammlung, wodurch ihr eine entsprechend hohe internationale Bedeutung zukommt.

Zu den Sammlungsmaterialien gehören vollständige Individuen oder Bruchstücke, sowie gut 1.300 Dünnschliffpräparate. Als Zeugen der Entstehung unseres Sonnensystems sind Meteorite zudem wichtiger Bestandteil der Dauerausstellung des Museums.

Geschichte

Die Anfänge der Meteoritensammlung gehen bis ins Jahr 1781 zurück, als die Mineraliensammlung von Carl A. Gerhard (1738-1821), dem Gründer der Bergakademie Berlin, erworben wurde. Sie enthielt unter anderem ein Stück des von Peter S. Pallas (1741-1811) erstmals beschriebenen Stein-Eisen-Meteoriten Krasnojarsk. Durch den russischen Zaren Alexander I. wuchs die Sammlung 1803 um ein weiteres Exemplar dieses bedeutsamen Meteoriten.

Mit der Gründung der Berliner Universität im Jahr 1810 gelangten die Meteoriten in das Mineralogische Museum. Sieben Jahre später erweiterte der Mineraloge Christian S. Weiss (1780-1856) die Sammlung durch den Kauf von 17 Meteoriten des berühmten Chemikers Martin H. Klaproth (1743-1817). Auch unterhielt Weiss enge Beziehungen zu Ernst F. F. Chladni (1756-1827), so dass dieser dem Museum seine Privatsammlung bestehend aus 41 Meteoriten vererbte. Chladni gilt als Begründer der Meteoritenkunde als Wissenschaft, da er 1794 erstmals die These zur „außerirdischen“ Herkunft von Meteoriten veröffentlichte.

Alexander von Humboldt (1769-1859) stiftete dem Museum insgesamt neun Meteoriten, die er während seiner Reisen gesammelt oder aufgrund seiner Berühmtheit geschenkt bekommen hatte. Durch Untersuchungen an Stücken der Berliner Meteoritensammlung entwickelte sein Weggefährte Gustav Rose (1798-1873) im Jahr 1864 eine erste in ihren Grundzügen noch heute gültige Systematik der Meteoriten.

Eine erste nennenswerte Sammlungsweiterung durch Ankäufe von vor allem amerikanischer Eisenmeteorite fand um 1900 statt. In den Jahren 1993 und 1996 wurde zudem eine große Anzahl von Meteoriten aus der nördlichen Sahara erworben.

Highlights

Ensisheim

Der Meteorit von Ensisheim ist der älteste noch erhaltene Meteoritenfall Europas. Er eignete sich am 07.11.1492 als ein 127 kg schwerer Gesteinsbrocken begleitet von lauten Donner in ein Weizenfeld nahe dem elsässischen Ort Ensisheim einschlug. Aus Angst vor bösen Mächten wurde er lange Zeit in der Dorfkirche aufbewahrt. Heute kann die verbliebene Hauptmasse im Rathaus von Ensisheim besichtigt werden. Das gezeigte Bruchstück mit einem Gewicht von 236,3 g stammt aus der Privatsammlung Ernst F. F. Chladnis (1756-1827), der als Begründer der modernen Meteoritenforschung gilt. Es gelangte nach dessen Tode 1827 als Schenkung in die Sammlung des Museums.

Bruchstück des 127 kg schwere Meteorit von Ensisheim aus der Privatsammlung Ernst F.F. Chladnis, der älteste erhaltene Meteoritenfall Europas vom 7. November 1492

Krasnojarsk

Der Meteorit von Krasnojarsk wurde 1749 in Sibirien, Russland, entdeckt und detailliert durch den deutschen Naturforscher Peter S.Pallas (1741-1811) beschrieben. Bei dem etwa 700 kg schweren Stück handelt es sich um einen sogenannten Stein-Eisenmeteoriten bestehend aus Eisen-Nickel-Metall und dem Mineral Olivin. Zu Ehren Pallas wird diese Klasse von Meteoriten „Pallasite“ genannt. Das abgebildete Fragment mit einem Gewicht von 879,7 g ist ein Geschenk des russischen Zaren Alexander I. und gelangte 1803 in die Meteoritensammlung.

Stein-Eisenmeteorit vor weißem Hintergrund, Krasnojarsk in Sibirien, 1749 entdeckt, durch Pallas beschrieben, Geschenk des Zaren Alexander I. an Meteoritensammlung

Nakhla

Der Marsmeteorit Nakhla fiel als Meteoritenschauer von 40 Steinen am 28.06.1911 nahe der ägyptischen Stadt Abu Hummus auf die Erde. Es handelt sich um ein magmatisches Gestein, das vor etwa 1,3 Milliarden Jahren auf unserem roten Nachbarplaneten gebildet wurde. In Nakhla wurden Minerale gefunden, die eindeutig von der Anwesenheit flüssigen Wassers auf dem Mars zeugen. Das gezeigte Stück mit einem Gewicht von 170,3 g befindet sich seit 1914 in der Meteoritensammlung des Museums

 

Marsmeteorit Nakhla fiel als Meteoritenschauer am 28. Juni 1911 nahe der ägyptischen Stadt Abu Hummus, seit 1914 in der Meteoritensammlung des Naturkundemuseums Berlin

Forschung

Die Meteorite der Sammlung sind Gegenstand zahlreicher Forschungsprojekte. Sie tragen dazu bei, die Entstehung unseres Sonnensystems und die weitere Entwicklung der Planeten zu entschlüsseln. Aktuelle Fragestellungen widmen sich dabei der Entstehung des Lebens und der Herkunft leicht flüchtiger Elemente und Verbringungen, vor allem des Wassers, auf der Erde.

Auf Anfrage beim Kustos Dr. Ansgar Greshake ist die Sammlung für wissenschaftliches Arbeiten zugänglich.

Digitalisierung

Die Sammlung ist in einer lokalen Datenbank vollständig digital erfasst.

Meteoriten werden zentral von der Meteoritical Society benannt und registriert. Die dazugehörige Datenbank ist online aufrufbar .

Bibliothek

Aufgrund der speziellen Thematik der Sammlung existiert nur ein kleiner Bestand an Lehrbüchern, Katalogen und historischen Schriften. Für Nachfragen steht ihnen der Kustos der Meteoritensammlung Dr. Ansgar Greshake zur Verfügung .

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